13 Juni 2013

Rezension zu "Der Märchenerzähler" von Antonia Michaelis



Titel: Der Märchenerzähler
Autor: Antonia Michaelis
Preis: 16,95€ [D]
Seitenanzahl: 446
Meine Wertung: 5 Federviecher
Verlag: Oetinger
ISBN: 978-3789142895
Will ich kaufen!


Seine Lippen waren kalt wie Schnee, aber jenseits der Lippen lag die Wärme von samtenem rotem Stoff, Stoff auf dem nächtlichen Deck eines Schiffes. Sie spürte seine Zunge und dachte an den Wolf. Und wenn es wahr ist, dachte sie, wenn das Märchen wahr ist? Ein Genickschuss und ein tödlicher Biss in den Nacken. Alles stimmt. Und wenn ich einen Mörder küsse?

Abel Tannatek ist ein Außenseiter, ein Schulschwänzer und Drogendealer. Wider besseres Wissen verliebt Anna sich rettungslos in ihn. Denn es gibt noch einen anderen Abel: den sanften, traurigen Jungen, der für seine Schwester sorgt und der ein Märchen erzählt, das Anna tief berührt. Doch die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Was, wenn das Märchen gar kein Märchen ist, sondern grausame Wirklichkeit? Was, wenn Annas schlimmste Befürchtungen wahr werden?

Anna und Abel - eine Liebe, die über alle Zweifel siegt und in der das Unmögliche möglich ist.










Als Anna durch Zufall das erste Mal mit Abel Tannatek spricht, ist sie fasziniert. An ihrer Schule ist er bekannt dafür, dass er Drogen vertickt und selten zum Unterricht erscheint. Tag für Tag steht er dort unten bei den Fahrradständern, mit seiner tief ins Gesicht gezogenen Mütze, der alten Militärjacke und Stöpseln in den Ohren. Er wirkt gefährlich und unnahbar - Doch wer ist Abel wirklich? Anna findet nach und nach immer mehr über den scheinbar zwielichtigen Jungen heraus: Ohne Eltern kümmert sich der 17-Jährige sorgenvoll um seine kleine Schwester. Er holt sie von der Schule ab, kocht ihr Essen - Im Grunde ist die kleine Micha der Grund, dass Abel in der Schule so oft fehlt. Anna, besorgt um Abel's Zukunft, beschließt ihm zu helfen. Denn Abel ist ganz anders als der bedrohliche Typ, den die anderen aus der Schule kennen. Und langsam aber sicher verliebt sich Anna in Abel, der seiner Schwester das Märchen von der Klippenkönigin erzählt. Ein Märchen, dass Anna fesselt und nicht mehr los lässt - Doch was, wenn es kein Märchen ist? Und mit jedem Schritt in Abels Welt, verliert Anna mehr und mehr den Kontakt zu der Realität und kommt dabei einem dunklen Geheimnis auf die Spur, welches am Ende nicht nur einem den Tod bedeuten könnte.











Ich bin... überwältigt. Ich bin mit völlig anderen Erwartungen an dieses Buch heran gegangen, als sie schließlich zutreffen. Aber schon nach dem ersten Satz, war mir das klar: "Blut. Überall ist Blut".
Dieses Buch ist tragisch, wie genial. Mir fehlen wirklich die Worte. 
Die Autorin hat einen außergewöhnlichen Schreibstil - auf den ersten Blick nichts Besonderes, allerdings schildert Antonia Michaelis die Geschehnisse durch die Umschreibungen und auf anderer Seite durch die erschreckende Direktheit der Worte so anschaulich und voller Emotionen, dass man, wenn man mit dem Lesen aufgehört hat, das Gefühl hat, man wäre selbst dabei gewesen. 
Die Hauptprotagonistin - Anna - hat mich sehr beeindruckt. Vor allem konnte ich mich unglaublich gut mit ihr identifizieren. Anna ist eine Träumerin und sie weiß von sich selbst, dass sie in einer Seifenblase lebt, in ihrer eigenen Welt. Doch schon bald wird sie von dem Gedanken erschüttert: Was ist, wenn nicht sie in einer Seifenblase lebt, sondern alle anderen es tun? Wenn sie die Welt in ihrer eigentlichen Form sieht? 
Ich konnte sehr viele Ansichten von mir in denen von Anna wiedererkennen und auch dadurch wurde mir das Mädchen gleich sympathischer. 
Manche würden vielleicht behaupten, dass Anna naiv ist - Doch ich finde, sie ist das genaue Gegenteil. Denn sie lässt sich niemandes Meinung aufdrängen sondern bildet sich ihre Eigene. Sie ist neugierig und misstrauisch, intelligent und mutig. 
Ich habe kein Vorbild, aber wenn ich mir eins aussuchen müsste, wäre es Anna aus diesem Buch.
Obwohl Abel ziemlich viel Scheiß baut, muss man ihn einfach mögen. Seine manchmal echt nervige, abwehrende Haltung, dient ihm nur zum Schutz. Denn nicht nur, dass er schon viel Mist gemacht hat, er hat auch schon sehr viel Mist erfahren. Ich musste wirklich heulen, als am Ende alles raus kam. Abel hat mir so furchtbar leid getan - und das obwohl er selbst viele schreckliche Dinge getan hat. Obwohl er das nur machte, um seine Schwester zu schützen und um ihr eben den Mist zu ersparen, ist das natürlich keine Entschuldigung. Doch man kann es ihm einfach nicht vorwerfen. Ein Mensch, der so viel zu leiden hatte... Das ist wirklich schockierend. Abel war von Innen wirklich zerstört. Dabei denke ich, Anna hätte ihm wirklich helfen können. Ich selbst kann nicht behaupten, ob so eine Liebe wie zwischen Abel und Anna wirklich existieren kann - Aber ich bin wirklich überwältigt. Anna sieht in Abel nur den Jungen, den sie liebt, alles andere ist ihr egal - Selbst die Tatsache, dass er auch sie verletzt hat. Aber um das zu verstehen, muss man das Buch wirklich lesen. 
Abel selbst ist eigentlich ein unglaublich großherziger, mitfühlender Junge. Einer, der alles für die tut, die er liebt und niemals zuerst an sich denkt. Ich kann ihm nur noch einmal mein aufrichtigstes Mitleid aussprechen. Ein Glück, dass das wenigstens mit dem Rauchen jetzt ein Ende hat. 
*Hust* Spoiler *Hust*
Ansonsten noch: Spannung pur! Kaum hat man die eine Sache verdaut, kommt schon der nächste Hammer um die Ecke. Ich will ja nichts sagen, aber es gibt Tote.
Auch die wechselhafte Stimmung Abels und die Spannungen in seiner Beziehung mit Anna haben sicher dazu beigetragen, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. 
Dieses Buch gehört definitiv zu meinen Lieblingsbüchern! Dass es ein sehr ernstes Buch ist, stört gar nicht, obwohl ich ja gerne ein bisschen Humor dabei habe - Allerdings hätte es anders auch gar nicht gepasst. Ich hatte trotzdem oft ein Lächeln im Gesicht - Dank einiger rührender Szenen. 









Das Cover passt hervorragend zur Geschichte - Es zeigt eine Winterlandschaft, mittendrin Anna mit ausgebreiteten Armen. Die leicht verworrenen Äste passen ebenso gut zum Buch wie auch die dramatische Schriftart des Titels, welcher in Großbuchstaben nochmals dominanter wirkt. 
Passt - Und ist wunderschön. Was gibt es da noch zu sagen?











Auch hier nochmal kurz die Wörter, die dieses Buch am besten beschreiben: Tragisch, sowie genial.
Ein Buch über die Schrecklichkeiten des Lebens, eine Liebe, welche größer nicht sein kann, und wie brutal die Wahrheit manchmal zuschlagen kann. 
Also ich bin begeistert und finde nichts zu meckern.






Allerliebste Grüße an diesem düsteren Tag! (Blöde Regenwolken...)
Natalie (:

Kommentare:

  1. Eine schöne Rezension :-)
    Ich werde mir das Buch bestimmt durchlesen,
    lg susi

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    1. Das freut einen doch (:
      Danke für dein Kommentar!
      LG zurück ;)

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  2. Ich habe das Buch auch gelesen. Es ist einfach genial und lässt sich nicht wirklich in Worte fassen. Man muss es einfach gelesen haben! Aus diesem Grund ist es eins meiner lieblings Bücher (:
    Ich finde deine Rezension auch echt gelungen und mir macht es Spaß sie zu lesen. ((:

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    1. Stimme ich dir zu^^ Ist ein tolles Buch!

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Huhu lieber Blogbesucher und potenzieller Kommentarschreiber (:
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Ich freue mich über Feedback aller Art, also nur her damit ;)

Ich wünsche dir noch einen zauberhaften Tag, eine traumhafte Woche und mögen alle deine Wünsche in Erfüllung gehen!
Natalie ♥